Neofolkfreunde

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31.05.2014

Die „Priesterin von Midgard“ Ein Gespräch mit der Musikerin Andrea Haugen über Heidentum als Lebensart(german)

Hallo nochmal,

da Neofolk das Heidentum oft thematisiert, möchte ich noch ein Interview reinstellen, entliehen aus dem Ikonenmagazin.Ich hoffe das Ikonnemagazin hat nichts dagegen, dass ich mich oft bediene, allerdings gebe ich auch immer die Quellen an und ich möchte gerne, dass der Inhalt an möglichst viele Leute weitergegeben wird.Liebes Ikonenmagazin, wenn das nicht in Ordnung ist, dann meldet euch bei mir, ansonsten schreibe ich euch demnächst mal an. :)

"See, your history a book of blood / Horror designed by human brains, I can’t forget! / Where are the tortured souls now, who can justify their pain?! / Is this humanity, than this is no place for me [...] Your world in my eyes / At the end / Bloody tears blind my sight...“"



 Diese melancholischen wie auch anklagenden Worte stammen von der Musikerin und praktizierenden Heidin Andrea Haugen. Von einer spirituellen Suche nach ihrer kulturellen Identität und ihren mythologischen Wurzeln getrieben, führte sie ihr Weg früh nach London, wo sie als Tierarzthelferin arbeitete und langsam Kontakte zur okkulten Szene aufbaute. Die Schriftsteller der Schwarzen Romantik wurden ebenso zu einem starken Einfluss auf ihr Denken wie auch die Philosophie Nietzsches und Marquis de Sades. Im Umfeld der englischen Gothic- und Neofolkszene lernte sie den norwegischen Musiker Tomas Haugen kennen, mit dem sie nach Norwegen zog und sich fortan dem Studium der nordischen Mythologie widmete. Mit der Geburt der gemeinsamen Tochter Alva wurde es ihr möglich, den Traum der heidnischen Kerngemeinschaft zu verwirklichen. Mit ihrem folkloristischen und rituellen Musikprojekt Hagalaz Runedance, das bislang vier CDs herausbrachte, versucht sie, einen intensiven Einblick in ihre Weltsicht zu ermöglichen. Und mit dem auch in Deutschland erschienenen Buch Die alten Feuer von Midgard (Berlin 2001) schildert sie ihre ganz persönlichen Ansichten, was es bedeuten kann, in der gegenwärtigen Gesellschaft als Heide zu leben.

 Andrea, Du lebst mit Deiner Familie als Heidin in Norwegen. Welche Umstände ermöglichten es, diesen Traum wahr werden zu lassen: Heidentum als Lebensart zu verwirklichen?

 Als Heide fühlt man sich mit der Mutter Natur verbunden. Man ist sich seiner biologischen Instinkte bewusst, was ja leider keine Selbstverständlichkeit mehr ist, da die Dogmen des Christentums unsere Instinkte dämonisiert haben, und unsere Gesellschaft erst wieder lernen muss, wie man in Einklang mit der Natur denkt. Spirituell bedeutet das, durch die Mythen und alten Lebensweisheiten sich selbst zu erkennen, und die Natur um sich herum zu verstehen. Es bedarf also keiner ‘besonderen Umstände‘, um ein Heide zu sein. Die ‘alte Tradition‘ ist eine offizielle Religion hier in Norwegen, und auch viele 'gewöhnliche' Leute haben ein enges Verhältnis zu ihrer Kultur.
Die germanischen Heiden hatten Respekt für Mutter Erde und eine Sensibilität für ihre Geheimnisse. Sie glaubten an das Gleichgewicht der Kräfte, eine Harmonie zwischen Göttern und Göttinnen, zwischen männlich und weiblich, Licht und Finsternis, positiv und negativ. Wir brauchen all jene Elemente, die um uns und in uns existieren. Sie wußten, dass die Natur ein ewiger Kreislauf ist. Der alte Glaube kam von ihrem Wissen, und die Legenden spiegeln nur die Wirklichkeit des Lebens in Midgard, wie sie die Erde nannten. Heidnische Traditionen haben grundsätzlich keine beschränkenden Dogmen, die dem Individuum vorschreiben, wie es zu denken hat. Spiritualität, oder Religion, war einst der Weg, den Geist des Menschen zu öffnen und zu erweitern und die eigenen gegebenen Möglichkeiten zu verbessern. Nicht den Geist zu verschließen, zu blenden, zu ängstigen und die gegebenen Möglichkeiten zu unterdrücken, wie wir das im Rahmen der dominierenden patriarchalen dogmatischen Religionen beobachten.

 Was erwiderst Du Menschen, die Deine Weltanschauung und Lebensart als Eskapismus, als Fluchtbewegung aus den Widrigkeiten der postmodernen Industriegesellschaft, kritisieren?

 
Die „Priesterin von Midgard“
Ein Gespräch mit der Musikerin Andrea Haugen über Heidentum als Lebensart
„See, your history a book of blood / Horror designed by human brains, I can’t forget! / Where are the tortured souls now, who can justify their pain?! / Is this humanity, than this is no place for me [...] Your world in my eyes / At the end / Bloody tears blind my sight...“
Diese melancholischen wie auch anklagenden Worte stammen von der Musikerin und praktizierenden Heidin Andrea Haugen. Von einer spirituellen Suche nach ihrer kulturellen Identität und ihren mythologischen Wurzeln getrieben, führte sie ihr Weg früh nach London, wo sie als Tierarzthelferin arbeitete und langsam Kontakte zur okkulten Szene aufbaute. Die Schriftsteller der Schwarzen Romantik wurden ebenso zu einem starken Einfluss auf ihr Denken wie auch die Philosophie Nietzsches und Marquis de Sades. Im Umfeld der englischen Gothic- und Neofolkszene lernte sie den norwegischen Musiker Tomas Haugen kennen, mit dem sie nach Norwegen zog und sich fortan dem Studium der nordischen Mythologie widmete. Mit der Geburt der gemeinsamen Tochter Alva wurde es ihr möglich, den Traum der heidnischen Kerngemeinschaft zu verwirklichen. Mit ihrem folkloristischen und rituellen Musikprojekt Hagalaz Runedance, das bislang vier CDs herausbrachte, versucht sie, einen intensiven Einblick in ihre Weltsicht zu ermöglichen. Und mit dem auch in Deutschland erschienenen Buch Die alten Feuer von Midgard (Berlin 2001) schildert sie ihre ganz persönlichen Ansichten, was es bedeuten kann, in der gegenwärtigen Gesellschaft als Heide zu leben.

Andrea, Du lebst mit Deiner Familie als Heidin in Norwegen. Welche Umstände ermöglichten es, diesen Traum wahr werden zu lassen: Heidentum als Lebensart zu verwirklichen?
Als Heide fühlt man sich mit der Mutter Natur verbunden. Man ist sich seiner biologischen Instinkte bewusst, was ja leider keine Selbstverständlichkeit mehr ist, da die Dogmen des Christentums unsere Instinkte dämonisiert haben, und unsere Gesellschaft erst wieder lernen muss, wie man in Einklang mit der Natur denkt. Spirituell bedeutet das, durch die Mythen und alten Lebensweisheiten sich selbst zu erkennen, und die Natur um sich herum zu verstehen. Es bedarf also keiner ‘besonderen Umstände‘, um ein Heide zu sein. Die ‘alte Tradition‘ ist eine offizielle Religion hier in Norwegen, und auch viele 'gewöhnliche' Leute haben ein enges Verhältnis zu ihrer Kultur.
Die germanischen Heiden hatten Respekt für Mutter Erde und eine Sensibilität für ihre Geheimnisse. Sie glaubten an das Gleichgewicht der Kräfte, eine Harmonie zwischen Göttern und Göttinnen, zwischen männlich und weiblich, Licht und Finsternis, positiv und negativ. Wir brauchen all jene Elemente, die um uns und in uns existieren. Sie wußten, dass die Natur ein ewiger Kreislauf ist. Der alte Glaube kam von ihrem Wissen, und die Legenden spiegeln nur die Wirklichkeit des Lebens in Midgard, wie sie die Erde nannten. Heidnische Traditionen haben grundsätzlich keine beschränkenden Dogmen, die dem Individuum vorschreiben, wie es zu denken hat. Spiritualität, oder Religion, war einst der Weg, den Geist des Menschen zu öffnen und zu erweitern und die eigenen gegebenen Möglichkeiten zu verbessern. Nicht den Geist zu verschließen, zu blenden, zu ängstigen und die gegebenen Möglichkeiten zu unterdrücken, wie wir das im Rahmen der dominierenden patriarchalen dogmatischen Religionen beobachten.
Was erwiderst Du Menschen, die Deine Weltanschauung und Lebensart als Eskapismus, als Fluchtbewegung aus den Widrigkeiten der postmodernen Industriegesellschaft, kritisieren?
Ich bekomme eigentlich solche Kritiken nicht, allgemein werden meine Meinungen respektiert und als ziemlich bodenständig angesehen. Wenn ich immer wieder betone, heidnisch zu sein, bedeutet das nicht, alles stehen und liegen zu lassen und in Strohhütten ohne Strom zu ziehen. Es bedeutet, sich der Natur bewusst zu werden, seiner eigenen, inneren Natur bewusst zu werden und eine persönliche Balance zu finden. Die alten Religionen drehen sich um das Verständnis der Natur und der menschlichen Natur. Die heidnischen Werte drehen sich darum, das Leben auf die angemessenste Weise zu leben. Daher würde ich sagen, dass die alten Weisheiten, auf die ich mich beziehe, sehr realistisch sind. Man verhält sich zu der Natur und man verhält sich zu den Mitmenschen, ohne die Angst vor einem Gott, der aufpasst und straft, wenn man seinen Gesetzen nicht gehorcht – wie es im Christentum der Fall ist. All solche dogmatischen Religionen sind wirklich gefährlich weltfern, wenn man sie fanatisch ausübt. Als Heide ist man dagegen selbst für sein Leben verantwortlich, lebt das Leben zu seinem Besten und hat einen offenen Sinn für die Mystik und Magie der Natur. Auf der anderen Seite würde ich natürlich zugeben, dass ich unser alltägliches Leben für furchtbar geistlos und 'unmagisch' halte. Insofern kann meine Beschäftigung teilweise schon als der Versuch begriffen werden, in eine mystischere Welt zu entkommen.
Über die germanische Welt und Religion ist nur sehr wenig überliefert. Viele Fakten lassen sich nur aus erheblich späteren Quellen abstrahieren. Auch die Bücher von Edred Thorsson, auf die Du Dich u.a. in Deinem Buch beziehst, basieren eigentlich auf Runenkunde des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Ist nicht die aktuelle Vision vom Germanentum ein gegenmodernes Konstrukt?
Vieles von der alten Religion hat überlebt, das man in unseren heutigen Traditionen, Bräuchen, Geschichten, Sagen, Werte, Ortsnamen noch entdecken kann. Viel hat sich gewandelt, doch die menschliche Natur hat sich nicht verändert. Viele Erkenntnisse über Runenkunde und Rituale sind modern, ja. Da unsere Vorfahren nichts niedergeschrieben haben, ist wenig aus originären Quellen überliefert. Doch man muss bedenken, dass die heidnische Tradition eine lebende Tradition ist. Sie bewegt sich mit uns und wird ständig ergänzt. Unsere Vorfahren haben ihre eigenen Rituale ausgearbeitet, und wir heute müssen die magischen Symbole neu interpretieren und unsere eigenen Rituale gestalten. So können wir den alten Geist weiterführen. 

 Heidentum, und speziell dessen nordische Ausrichtung, stößt vielfach auf massive Kritik aus politischer Perspektive. In Deinem Buch gehst Du selbst darauf ein. Denkst Du, das konsequente Freidenkertum, das dem nordischen Heidentum innewohnt, ist überhaupt anschlussfähig für eine politische Ausrichtung?

 Einige unserer norwegischen Heiden sind politisch aktiv in den linken und grünen Parteien. Spiritualität und Politik sollten jedoch unabhängig von einander sein. Der nordische Asatrù-Glaube ist ein ethnischer Glaube und wie alle anderen Naturreligionen sollte er auch als solche anerkannt werden. Wir sollten unsere alten Symbole zeigen, wir haben das Recht dazu, und wenn jemand negativ darauf reagiert, erkläre ich, dass ich mich ebenso vom christlichen Kreuz oder ähnlichen Symbolen, die von tyrannischen Regimen verwendet wurden, provoziert fühle. Manchmal vermute ich, dass der eigentliche Grund dafür, warum die Heiden als „Nazis“ diskriminiert werden, der ist, dass sich die Gesellschaft von unserer Denkweise und unseren Bemühungen um individuelle Freiheit bedroht fühlt.

 Einige Deiner Texte sind sehr martialisch, speziell in der massiven Ablehnung der christlichen Kirche („Fight the men with cross that raped our souls...“). Welche Rolle spielt in Deiner Kunst der Archetyp des "Kriegers"?


Ich bin dem Image des Kriegers, besonders der Kriegerin oder Jägerin sehr angetan. Ich bin auch in einer Wikinger-Re-enactment-Gruppe; nicht, weil ich für die Jagd oder den Krieg bin, sondern weil ein Krieger im mythologischem Sinne ein starkes Individuum symbolisiert der/die für sein/ihr Recht kämpft, sich durchsetzt und andere verteidigt. In meinem Leben musste ich oft kämpfen, mich verteidigen; kämpfen, um an mein Ziel zu kommen. Und natürlich kämpfe ich für eine Ideologie. Auch würde ich nicht vor physischem Kampf zurückschrecken, um meine Tochter Alva zu verteidigen. Doch dies ist ein natürlicher Instinkt, den alle haben sollten.
Vor einigen Jahren noch warst Du sehr befasst mit einer Weltsicht, die man grob als ‘satanistisch‘ bezeichnen könnte, wobei Du selbst betonst, dass es dabei darum gehe, in ‘Satan‘ ein philosophisches, ambivalentes Prinzip zu entdecken, das ein Leben in Balance ermöglichen kann. Ähnliche Ansätze finden sich auch in deinem Buch Die alten Feuer von Migard. Siehst Du einen wesentlichen Unterschied zwischen Deinem Satanismus von einst und dem nordischen Schamanismus?
Wie ich in meinem Buch erwähne, ist die Figur des Satans eigentlich eine positive Figur. Er symbolisiert die natürlichen Instinkte und das freie Denken des Menschen. Er ist ein Rebell, der sich dem faschistischen Regime des ‘Einzigen Gottes‘ widersetzt. Im Christentum gilt die Haltung als ketzerisch oder „böse“. Auch ist Satan eine dämonisierte christliche Version der heidnischen Wald- und Naturgötter. Deswegen mag ich diese Figur. Sogenannte 'moderne Satanisten' gehen gegen diese christliche Dämonisierung an. Sie sind sich ihren natürlichen Instinkte bewusst und haben die gleiche Lebensauffassung wie Heiden, das Leben voll auszuleben, die sogenannten dunklen Aspekte des Lebens zu erforschen und damit umzugehen anstelle es zu verneinen. Dennoch bin ich nicht so von dem Namen „Satanismus“ begeistert, da er ein Teil des Christentums ist und somit die christliche Ideologie am Leben hält. Ich halte es am besten, das Christentum ganz hinter sich zu lassen. 

 C.G. Jung schrieb ja: „Wenn die Menschen aber dazu erzogen werden, die Schattenseite ihrer eigenen Natur zu sehen, so ist zu hoffen, dass sie auf diesem Wege auch ihre Mitmenschen besser verstehen und lieben lernen.“ -– Würdest Du Deinen eigenen Ansatz eines nichtpatriarchalischen Glaubenssystems als feministisch bezeichnen? 

 Das Weibliche spielte eine große Rolle in den heidnischen Kulturen und war wohl sehr anerkannt. Das Unterbewusstsein, das Ungesehene, das Mystische und Magische wurden als weiblich angesehen. Die Weisheit selbst ist in fast allen Mythen weiblich. Die erste Gottform war die Mutter, die Göttin, die das Leben gibt und die das Leben nimmt. Das individuelle Schicksal der Menschen und auch der Götter, so glaubte man, sei von einer weiblichen Kraft bestimmt. Doch man kann in den Mythen ganz eindeutig erkennen, dass das Weibliche und das Männliche miteinander harmonieren und sich ergänzen. Das heißt, beider Werte sind anerkannt und geschätzt. Durch die Mythen kann jeder Mann und jede Frau sich selbst erkennen, und sich mit den Göttern und Göttinnen identifizieren. 

 Die Hinwendung zu weitgehend akustisch erzeugter Musik, wie sie auch Hagalaz Runedance präsentiert, wirkt fast wie ein reaktionärer Impuls angesichts der umfassenden Technifizierung populärer Musik. Wie ist Dein Verhältnis zu aktueller Popmusik und wie würdest Du die Position von ritueller und neofolkloristischer Musik in der internationalen Musikszene verorten?


Für mich sind die akustischen Folk- und Mittelalter-Instrumente (Akustikgitarre, Drehleier etc.), die ich benutze, sehr wichtig. Ich liebe den Klang von alten Instrumenten und schaffe so eine Verbindung zur Vergangenheit. Instrumente wie die Lyre werde schon in den Mythen erwähnt. Meine Musik ist eine Reise zwischen Welten, alten und neuen, daher benutze ich auch moderne Instrumente. Ich selbst würde meine Musik als 'progressiven Folk' bezeichnen. Heidentum und Musik bieten für mich dasselbe: spirituelle Freiheit und magische Kreativität.
Ist ein heidnische Lebensart mit fortschreitender kultureller und wirtschaftlicher Globalisierung vereinbar?
Ich würde sogar sagen, dass es mehr und mehr notwendig wird, sich an seiner Wurzeln zu erinnern, umweltbezogener zu denken und mehr ökologisch verträgliche Mittel einzusetzen, um unsere Erde wieder in Balance zu bringen.

 Zum Abschluss: Würdest Du Dir wünschen, dass Du mit Deinem künstlerischen Werk Menschen beeinflusst, und dass die Akzeptanz nordischer Spiritualität sich weiter verbreitet?

 
Die „Priesterin von Midgard“
Ein Gespräch mit der Musikerin Andrea Haugen über Heidentum als Lebensart
„See, your history a book of blood / Horror designed by human brains, I can’t forget! / Where are the tortured souls now, who can justify their pain?! / Is this humanity, than this is no place for me [...] Your world in my eyes / At the end / Bloody tears blind my sight...“
Diese melancholischen wie auch anklagenden Worte stammen von der Musikerin und praktizierenden Heidin Andrea Haugen. Von einer spirituellen Suche nach ihrer kulturellen Identität und ihren mythologischen Wurzeln getrieben, führte sie ihr Weg früh nach London, wo sie als Tierarzthelferin arbeitete und langsam Kontakte zur okkulten Szene aufbaute. Die Schriftsteller der Schwarzen Romantik wurden ebenso zu einem starken Einfluss auf ihr Denken wie auch die Philosophie Nietzsches und Marquis de Sades. Im Umfeld der englischen Gothic- und Neofolkszene lernte sie den norwegischen Musiker Tomas Haugen kennen, mit dem sie nach Norwegen zog und sich fortan dem Studium der nordischen Mythologie widmete. Mit der Geburt der gemeinsamen Tochter Alva wurde es ihr möglich, den Traum der heidnischen Kerngemeinschaft zu verwirklichen. Mit ihrem folkloristischen und rituellen Musikprojekt Hagalaz Runedance, das bislang vier CDs herausbrachte, versucht sie, einen intensiven Einblick in ihre Weltsicht zu ermöglichen. Und mit dem auch in Deutschland erschienenen Buch Die alten Feuer von Midgard (Berlin 2001) schildert sie ihre ganz persönlichen Ansichten, was es bedeuten kann, in der gegenwärtigen Gesellschaft als Heide zu leben.

Andrea, Du lebst mit Deiner Familie als Heidin in Norwegen. Welche Umstände ermöglichten es, diesen Traum wahr werden zu lassen: Heidentum als Lebensart zu verwirklichen?
Als Heide fühlt man sich mit der Mutter Natur verbunden. Man ist sich seiner biologischen Instinkte bewusst, was ja leider keine Selbstverständlichkeit mehr ist, da die Dogmen des Christentums unsere Instinkte dämonisiert haben, und unsere Gesellschaft erst wieder lernen muss, wie man in Einklang mit der Natur denkt. Spirituell bedeutet das, durch die Mythen und alten Lebensweisheiten sich selbst zu erkennen, und die Natur um sich herum zu verstehen. Es bedarf also keiner ‘besonderen Umstände‘, um ein Heide zu sein. Die ‘alte Tradition‘ ist eine offizielle Religion hier in Norwegen, und auch viele 'gewöhnliche' Leute haben ein enges Verhältnis zu ihrer Kultur.
Die germanischen Heiden hatten Respekt für Mutter Erde und eine Sensibilität für ihre Geheimnisse. Sie glaubten an das Gleichgewicht der Kräfte, eine Harmonie zwischen Göttern und Göttinnen, zwischen männlich und weiblich, Licht und Finsternis, positiv und negativ. Wir brauchen all jene Elemente, die um uns und in uns existieren. Sie wußten, dass die Natur ein ewiger Kreislauf ist. Der alte Glaube kam von ihrem Wissen, und die Legenden spiegeln nur die Wirklichkeit des Lebens in Midgard, wie sie die Erde nannten. Heidnische Traditionen haben grundsätzlich keine beschränkenden Dogmen, die dem Individuum vorschreiben, wie es zu denken hat. Spiritualität, oder Religion, war einst der Weg, den Geist des Menschen zu öffnen und zu erweitern und die eigenen gegebenen Möglichkeiten zu verbessern. Nicht den Geist zu verschließen, zu blenden, zu ängstigen und die gegebenen Möglichkeiten zu unterdrücken, wie wir das im Rahmen der dominierenden patriarchalen dogmatischen Religionen beobachten.
Was erwiderst Du Menschen, die Deine Weltanschauung und Lebensart als Eskapismus, als Fluchtbewegung aus den Widrigkeiten der postmodernen Industriegesellschaft, kritisieren?
Ich bekomme eigentlich solche Kritiken nicht, allgemein werden meine Meinungen respektiert und als ziemlich bodenständig angesehen. Wenn ich immer wieder betone, heidnisch zu sein, bedeutet das nicht, alles stehen und liegen zu lassen und in Strohhütten ohne Strom zu ziehen. Es bedeutet, sich der Natur bewusst zu werden, seiner eigenen, inneren Natur bewusst zu werden und eine persönliche Balance zu finden. Die alten Religionen drehen sich um das Verständnis der Natur und der menschlichen Natur. Die heidnischen Werte drehen sich darum, das Leben auf die angemessenste Weise zu leben. Daher würde ich sagen, dass die alten Weisheiten, auf die ich mich beziehe, sehr realistisch sind. Man verhält sich zu der Natur und man verhält sich zu den Mitmenschen, ohne die Angst vor einem Gott, der aufpasst und straft, wenn man seinen Gesetzen nicht gehorcht – wie es im Christentum der Fall ist. All solche dogmatischen Religionen sind wirklich gefährlich weltfern, wenn man sie fanatisch ausübt. Als Heide ist man dagegen selbst für sein Leben verantwortlich, lebt das Leben zu seinem Besten und hat einen offenen Sinn für die Mystik und Magie der Natur. Auf der anderen Seite würde ich natürlich zugeben, dass ich unser alltägliches Leben für furchtbar geistlos und 'unmagisch' halte. Insofern kann meine Beschäftigung teilweise schon als der Versuch begriffen werden, in eine mystischere Welt zu entkommen.
Über die germanische Welt und Religion ist nur sehr wenig überliefert. Viele Fakten lassen sich nur aus erheblich späteren Quellen abstrahieren. Auch die Bücher von Edred Thorsson, auf die Du Dich u.a. in Deinem Buch beziehst, basieren eigentlich auf Runenkunde des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Ist nicht die aktuelle Vision vom Germanentum ein gegenmodernes Konstrukt?
Vieles von der alten Religion hat überlebt, das man in unseren heutigen Traditionen, Bräuchen, Geschichten, Sagen, Werte, Ortsnamen noch entdecken kann. Viel hat sich gewandelt, doch die menschliche Natur hat sich nicht verändert. Viele Erkenntnisse über Runenkunde und Rituale sind modern, ja. Da unsere Vorfahren nichts niedergeschrieben haben, ist wenig aus originären Quellen überliefert. Doch man muss bedenken, dass die heidnische Tradition eine lebende Tradition ist. Sie bewegt sich mit uns und wird ständig ergänzt. Unsere Vorfahren haben ihre eigenen Rituale ausgearbeitet, und wir heute müssen die magischen Symbole neu interpretieren und unsere eigenen Rituale gestalten. So können wir den alten Geist weiterführen.
Heidentum, und speziell dessen nordische Ausrichtung, stößt vielfach auf massive Kritik aus politischer Perspektive. In Deinem Buch gehst Du selbst darauf ein. Denkst Du, das konsequente Freidenkertum, das dem nordischen Heidentum innewohnt, ist überhaupt anschlussfähig für eine politische Ausrichtung?
Einige unserer norwegischen Heiden sind politisch aktiv in den linken und grünen Parteien. Spiritualität und Politik sollten jedoch unabhängig von einander sein. Der nordische Asatrù-Glaube ist ein ethnischer Glaube und wie alle anderen Naturreligionen sollte er auch als solche anerkannt werden. Wir sollten unsere alten Symbole zeigen, wir haben das Recht dazu, und wenn jemand negativ darauf reagiert, erkläre ich, dass ich mich ebenso vom christlichen Kreuz oder ähnlichen Symbolen, die von tyrannischen Regimen verwendet wurden, provoziert fühle. Manchmal vermute ich, dass der eigentliche Grund dafür, warum die Heiden als „Nazis“ diskriminiert werden, der ist, dass sich die Gesellschaft von unserer Denkweise und unseren Bemühungen um individuelle Freiheit bedroht fühlt.
Einige Deiner Texte sind sehr martialisch, speziell in der massiven Ablehnung der christlichen Kirche („Fight the men with cross that raped our souls...“). Welche Rolle spielt in Deiner Kunst der Archetyp des "Kriegers"?
Ich bin dem Image des Kriegers, besonders der Kriegerin oder Jägerin sehr angetan. Ich bin auch in einer Wikinger-Re-enactment-Gruppe; nicht, weil ich für die Jagd oder den Krieg bin, sondern weil ein Krieger im mythologischem Sinne ein starkes Individuum symbolisiert der/die für sein/ihr Recht kämpft, sich durchsetzt und andere verteidigt. In meinem Leben musste ich oft kämpfen, mich verteidigen; kämpfen, um an mein Ziel zu kommen. Und natürlich kämpfe ich für eine Ideologie. Auch würde ich nicht vor physischem Kampf zurückschrecken, um meine Tochter Alva zu verteidigen. Doch dies ist ein natürlicher Instinkt, den alle haben sollten.
Vor einigen Jahren noch warst Du sehr befasst mit einer Weltsicht, die man grob als ‘satanistisch‘ bezeichnen könnte, wobei Du selbst betonst, dass es dabei darum gehe, in ‘Satan‘ ein philosophisches, ambivalentes Prinzip zu entdecken, das ein Leben in Balance ermöglichen kann. Ähnliche Ansätze finden sich auch in deinem Buch Die alten Feuer von Migard. Siehst Du einen wesentlichen Unterschied zwischen Deinem Satanismus von einst und dem nordischen Schamanismus?
Wie ich in meinem Buch erwähne, ist die Figur des Satans eigentlich eine positive Figur. Er symbolisiert die natürlichen Instinkte und das freie Denken des Menschen. Er ist ein Rebell, der sich dem faschistischen Regime des ‘Einzigen Gottes‘ widersetzt. Im Christentum gilt die Haltung als ketzerisch oder „böse“. Auch ist Satan eine dämonisierte christliche Version der heidnischen Wald- und Naturgötter. Deswegen mag ich diese Figur. Sogenannte 'moderne Satanisten' gehen gegen diese christliche Dämonisierung an. Sie sind sich ihren natürlichen Instinkte bewusst und haben die gleiche Lebensauffassung wie Heiden, das Leben voll auszuleben, die sogenannten dunklen Aspekte des Lebens zu erforschen und damit umzugehen anstelle es zu verneinen. Dennoch bin ich nicht so von dem Namen „Satanismus“ begeistert, da er ein Teil des Christentums ist und somit die christliche Ideologie am Leben hält. Ich halte es am besten, das Christentum ganz hinter sich zu lassen.
C.G. Jung schrieb ja: „Wenn die Menschen aber dazu erzogen werden, die Schattenseite ihrer eigenen Natur zu sehen, so ist zu hoffen, dass sie auf diesem Wege auch ihre Mitmenschen besser verstehen und lieben lernen.“ -– Würdest Du Deinen eigenen Ansatz eines nichtpatriarchalischen Glaubenssystems als feministisch bezeichnen?
Das Weibliche spielte eine große Rolle in den heidnischen Kulturen und war wohl sehr anerkannt. Das Unterbewusstsein, das Ungesehene, das Mystische und Magische wurden als weiblich angesehen. Die Weisheit selbst ist in fast allen Mythen weiblich. Die erste Gottform war die Mutter, die Göttin, die das Leben gibt und die das Leben nimmt. Das individuelle Schicksal der Menschen und auch der Götter, so glaubte man, sei von einer weiblichen Kraft bestimmt. Doch man kann in den Mythen ganz eindeutig erkennen, dass das Weibliche und das Männliche miteinander harmonieren und sich ergänzen. Das heißt, beider Werte sind anerkannt und geschätzt. Durch die Mythen kann jeder Mann und jede Frau sich selbst erkennen, und sich mit den Göttern und Göttinnen identifizieren.
Die Hinwendung zu weitgehend akustisch erzeugter Musik, wie sie auch Hagalaz Runedance präsentiert, wirkt fast wie ein reaktionärer Impuls angesichts der umfassenden Technifizierung populärer Musik. Wie ist Dein Verhältnis zu aktueller Popmusik und wie würdest Du die Position von ritueller und neofolkloristischer Musik in der internationalen Musikszene verorten?
Für mich sind die akustischen Folk- und Mittelalter-Instrumente (Akustikgitarre, Drehleier etc.), die ich benutze, sehr wichtig. Ich liebe den Klang von alten Instrumenten und schaffe so eine Verbindung zur Vergangenheit. Instrumente wie die Lyre werde schon in den Mythen erwähnt. Meine Musik ist eine Reise zwischen Welten, alten und neuen, daher benutze ich auch moderne Instrumente. Ich selbst würde meine Musik als 'progressiven Folk' bezeichnen. Heidentum und Musik bieten für mich dasselbe: spirituelle Freiheit und magische Kreativität.
Ist ein heidnische Lebensart mit fortschreitender kultureller und wirtschaftlicher Globalisierung vereinbar?
Ich würde sogar sagen, dass es mehr und mehr notwendig wird, sich an seiner Wurzeln zu erinnern, umweltbezogener zu denken und mehr ökologisch verträgliche Mittel einzusetzen, um unsere Erde wieder in Balance zu bringen.
Zum Abschluss: Würdest Du Dir wünschen, dass Du mit Deinem künstlerischen Werk Menschen beeinflusst, und dass die Akzeptanz nordischer Spiritualität sich weiter verbreitet?
Ich habe schon so einige Individen mit meinen Worten und meiner Musik beeinflusst. Ich habe sie inspiriert, in sich zu gehen und sich selbst zu finden. Und es wäre schön, wenn es allgemein bekannt würde, dass die von den Christen verfolgten Heiden keine 'bösen Barbaren' waren, sondern dass sie ein viel besseres und natürliches Verhältnis zwischen den Geschlechtern kultivierten, dass Magie etwas Natürliches ist und dass viele heidnische Traditionen immer noch unbewusst praktiziert werden...

Vielen Dank für dieses Gespräch und alles Gute für Dich, Deine Familie und Deine zukünftige Arbeit mit Hagalaz Runedance.
Das Gespräch führte Maria Nicoli.

 Veröffentlichungen von Andrea Haugen:

Hagalaz‘ Runedance: When the Trees were silenced (7 inch, Elfenblut 1996) – The Winds that Sang of Midgard’s Fate (CD, Elfenblut 1998) – Urd – That Which Was... (MCD, Well of Urd 1999) – Volven (CD Well of Urd 2000) – Frigga’s Web (Hammerheart 2001)
Buch: Die alten Feuer von Midgard, Berlin: Second Sight Books 2001, ISBN 3-935684-01-0

Nichts Neues unter der Sonne? Einige Fragen an Anthony Charles Wakeford von der Gruppe Sol Invictus 1995

Hail Folkers,

im Jahre 1995 fand ein Interview mit Anthony Charles Wakeford (Sol Invictus) statt, welches so in der Form nicht veröffentlicht wurde.Ich habe mir dieses aus dem Ikonenmagazin entliehen, wo das Interview dennoch veröffentlicht wurde.Ich stelle es hier ein, damit alle einen Zugang haben, denn meine Seite ist schon recht gut besucht.

 Die 1988 mit der Mini-LP „Against The Modern World“ aus der Taufe gehobene Band Sol Invictus war ursprünglich für den rauhesten Folk-Sound der Neofolk-Bands aus dem Londoner World-Serpent-Label-Umfeld bekannt, entwickelte sich mittlerweile jedoch in die Bereiche neoklassischer Musik. Gegründet von dem einflußreichen Chaos-Magier Ian Read und dem Death-in-June-Aussteiger Tony Wakeford, benannte man sich nach der persischen Sonnengottheit Mithras („Die unbesiegte Sonne“) und verlieh sich gleich zu Beginn einen mythisch-aggressiven Anstrich. Der Debüt-Titel ist einem esoterischen Buch des rechtsintellektuellen Italieners Julius Evola entnommen, der in „Revolte gegen die moderne Welt“ eine neue „monarchistische Elite“ formulieren und heraufbeschwören will.

 Wakeford distanziert sich heute explizit von diesem literarischen Bezug und möchte den Titel lieber allgemeiner verstanden wissen. In späteren Interviews betont er zudem, das besagte Buch habe erst Jahre später in einer englischen Übersetzung vorgelegen, so dass er ohnehin nur den Titel kannte.

 Während die ersten drei Alben unter dem deutlichen Einfluß von Ian Read standen, der auch häufig selbst sang, wurde Sol Invictus schließlich - nach Reads Abschied - zu Tony Wakefords persönlichem Projekt. - Dominierten auf den ersten Werken „Against...“ und „In The Jaws Of The Serpent“ noch hart geschlagene Akustikriffs und markige Texte, traten auf „Lex Talionis“ auch sanfte Klavierakkorde und zwischenmenschliche Themen („Abattoirs of Love“) in den Vordergrund. Viele der Texte sind durchaus ironisch gemeint und fanden eher aufgrund von Mißverständnissen ihren Weg in die Gothic-Szene: „Black Easter“ will weniger dem Satanismus zum Sieg verhelfen, sondern reflektiert die okkulten Klischees klassischer britischer Horrorfilme wie Jacques Tourneurs CURSE OF THE DEMON, einer Verfilmung des Romans "Casting the Runes" (aus der auch das Anfangssample stammt). Etwas ernster sind Wakeford die sehr verhaltenen Kommentare zur Zeitgeschichte:

 In „Fields“ beschreibt er auf bewegende Weise die Begegnung mit einer Zeugin der Bombardierung Dresdens mit dem Fazit „No more wars amongst Brothers!“ Wakeford betont häufig sein „eurozentrisches“ Weltbild, ein idealistisches Konstrukt, das mehr mit der Sehnsucht nach der "verlorenen Identität" zu tun habe als mit passioniertem Rassismus, wie es einige seiner Gegner gerne sehen möchten (so seine Ehefrau Renée Rosen Wakeford in den Linernotes einer Orchestr Noir-CD).

 Stärker als seine Kollegen bezieht sich Sol Invictus auch im Coverartwork auf „archaische“ und heidnische Symbole, die ebenfalls als Monumente für die Sehnsucht nach vergangenen Idealen stehen: der Wolf, der Rabe, die Sonne, der Mond, das Schwert, die Rose, die Esche. Diese allesamt mit der „Edda“ verknüpften Elemente tauchen immer wieder in Wort und Bild auf. Erst mit der Hinwendung zur neoklassisch-orchestralen Musik, die Wakeford 1995 mit „In The Rain“ vollzog, trat eine eher fatalistisch-melancholische Weltsicht in den Vordergrund, die von dem englischen Künstler Tor Lundvall in bestechend-naive Bilder umgesetzt wurde. Möglicherweise entweicht mit den archaischen Metaphern jedoch auch die „Wucht“ der Musik. Die schwindende Popularität gerade von Sol Invictus in den letzten Jahren - bedingt u.a. durch inflationär häufige Live-Auftritte - scheint dafür zu sprechen. Wakeford ist jedoch nicht unterzukriegen: Er erweiterte seine Aktivität auf die Produktion von Nachwuchsbands aus dem neoklassischen Umfeld (Algiz aus Frankreich) und bringt die kulturanalytische Zeitschrift ON (the world and everything in it) heraus (heute: SOL).

 Tony, bitte beschreibe die konkrete Idee und Motivation, die hinter dem von Dir herausgegebenen aber leider nur einmal erschienen ON-Magazin steckt

 Die Idee ist - wie der Titel besagt - ein thematisch sehr weit gefaßtes Magazin zu erschaffen. Die (post)moderne Kultur wird scheinbar zunehmend homogen und berechenbar. Wir hoffen, in diesem Magazin treffen sich Sichtweisen, die außerhalb des neuen Zeitgeistes existitieren. Mark Denton, mein Mitherausgeber, und ich hoffen, die Leser folgen uns bei diesen Interessen. Wir hoffen auch, demnächst ein vom Produktionsstandrad her weniger aufwendiges Magazin regelmäßig herausgeben zu können, das einige Artikel des FLUX Internet-Magazins veröffentlicht, in das ich involviert bin.

 Hast Du selbst die Bands auf der ON-Compilation ausgewählt?

 Ja, das ist eine Mixtur von Freunden und eingeschickten Tapes. Ich hatte gehofft, es handelte sich nur um unveröffentlichtes Material, doch einige Songs scheinen anderswo erhältlich zu sein, was mir sehr peinlich ist. Da das Magazin sehr lange brauchte, um zu erscheinen, kann ich das Problem verstehen. Ein Magazin erscheint gemäß dem langsamsten Mitarbeiter - und das ist in der Tat langsam. Insgesamt glaube ich, die CD funktioniert gut. Ich bin zwar kein Fan von Compilations, aber ich glaube, sie ist gut hörbar. Da sie 80 Minuten enthält, ist sicher für jeden etwas dabei. Ich freue mich darüber, das die bisherigen Kritiken sehr positiv waren.

Glaubst Du, Du wirst jemals wieder mit David Tibet, Douglas P. oder Ian Read zusammenarbeiten?

Ich bin in Kontakt mit Tibet und Douglas und obwohl es unwahrscheinlich klingt, sind merkwürdige Dinge im Gange... Ich habe keinen Kontakt zu Ian Read.

Wirst Du Deine neoklassische Entwicklung wie sie auf CUPID AND DEATH zu hören ist weiter entwickeln?

 Das ORCHESTRE NOIR Projekt wird das Ventil für jede Menge neoklassischer Kompositionen sein, ich denke jedoch, auch meine andere Musik wird davon beeinflußt werden. Ich mag diese Richtung, auch wenn es sonst niemand tut.

Warst Du jemals derart in praktische Magie verwickelt, wie es Ian Read noch immer ist?

Ja 

Bist Du noch immer von einer Idee der 'Vereinigten Staaten von Europa' fasziniert oder ist "Black Europe" (Titel eines Sol-Invictus-Bootlegs) das zynische Programm des Tages? 

Ich glaube, fasziniert ist nicht das richtige Wort. Ich finde die Idee eines amerikanischen Konzeptes diesbezüglich deprimierend. Mich interessieren die organischen Kulturen Europas, nicht die staatlichen Fallen eines ökonomischen Nationalismus’. Das neue Europa scheint ein rein ökonomischer Zwang zu sein, gefangen im Weltmarkt und auf dem Weg zu noch mehr Zentralisierung... Es gibt nichts Neues unter der Sonne.

Die Instrumentals auf CUPID AND DEATH scheinen von klassischer Filmmusik inspiriert zu sein. Statt dessen wich etwas der pathetische und mystische Ton der früheren Werke. Interessiert Dich das ‘deep listening’-Konzept des Inner Cinema?


Die Instrumentals sind eine respektvolle Verbeugung vor einigen kulturellen Ikonen, die das Los auf Erden erträglicher machen, z.B. John Barry, das film noir-Genre und die Filme von Luis Bunuel.

Hast Du selbst das alte ABOVE THE RUINS Material herausgebracht? Bitte erzähle etwas über dieses Projekt, mit dem Du scheinbar nicht sonderlich glücklich bist...

 Die CD ist in Ordnung, denke ich, aber ich bin Unglücklich mit der Art und Weise, wie sie herausgebracht wurde. Mit den Vinyl-Veröffentlichungen stehe ich nicht in Verbindung. Lieber würde ich über gegenwärtige Vorhaben sprechen; jenen Teil meiner Vergangenheit sehe ich als ein fremdes Land, eines das ich selbst im Urlaub nicht besuchen würde...

Douglas P. erzählte in einem Interview 1994, Du wärst gegen eine Veröffentlichung alter CRISIS-Punk-Songs (Wakefords und Pearce' frühere Band). Stimmt das?

Möglich. Wir beide hatten Möglichkeiten, altes Material wiederzuveröffentlichen. Es wird schließlich im Frühjahr 1997 als Doppel-CD herauskommen. Ich und ich denke auch Douglas sind sehr zwiespältig, was das betrifft. Zum Archivieren wäre es gut, die Sachen herauszubringen, aber ich sehe die ganze Periode eher negativ. Es gibt eine Menge alter Geister, die dadurch hoffentlich endlich Ruhe finden werden.

Bekommst Du noch immer Post aus aller Welt?

 Ich bekomme noch immer Briefe und versuche sie zu beantworten, vor allem wenn sie interessant sind. Es ist heute jedoch schwierig, da ich seltener in England bin.

 Einige World-Serpent-Gruppen wie DEATH IN JUNE und THE MOON LAY HIDDEN scheinen vom Balkan-Krieg besessen zu sein. Auf SOL-INVICTUS-Platten sucht man konkrete, zeitbezogene Kommentare jedoch vergeblich. Ist das außerhalb Deines Interesses?

 Ich scheu zurück vor politischen Kommentaren und Handlungen, hauptsächlich, weil meine Vergangenheit davon durchzogen und in vielerlei Hinsicht verschwendet ist. Das betrifft nur meine Position und ist nicht kritisch gemeint. Ich denke, die Weise, in der Douglas die kroatische Bevölkerung finanziell Unterstützt, ist bewundernswert.

 Ein Stück von Dir ist auf dem BLUTFEUER-Sampler. Fühlst Du Dich wohl zwischen BLOOD AXIS und ALLERSEELEN? „Hedda Gabler“ klingt sehr ironisch in diese Kontext!?

 Ich habe kein Problem, auf dieser CD zu erscheinen. Ich bin für sie so wenig verantwortlich wie sie für mich. Zur Ironie: die gibt es viel zu wenig heutzutage. Es kommt auf das Ohr des Betrachters an...

 Was denkst Du über die Tendenz einiger Gothic-Avantgarde-Magazine, punktuell zum Medium für konservative politische Tendenzen zu werden?

 Um ehrlich zu sein, ich wußte nicht, daß das der Fall ist. Ich spreche und lese leider sehr schlecht Deutsch, so ist mein Verständnis eingeschränkt. Die politische Einstellung anderer betrifft mich jedoch kaum. Ich nehme sie mit einer Prise Salz... Ich wurde der selben Dinge beschuldigt in der Vergangenheit und finde die Ankläger ebenso suspekt. Sie sind oft ebenso extrem wie ihre Feinbilder. Ich denke Deutschland ist für derartige Dinge sehr anfällig und gleichzeitig paranoid. Das ist historisch einsehbar, Hexenjagd ist jedochvon rechts und von links ein wenig reizvolles Konzept. Vielleicht ist das naiv, aber ich lasse mich nicht für die Meinung anderer Leute verantwortlich machen.

 Was ist das ORCHESTRE NOIR im Gegensatz zu SOL INVICTUS?

 Es ist ein Medium für thematische und filmische Kompositionen. Ich hoffe, es ist künftig möglich, dieses Projekt zu vergrößern und das Repertoir zu erweitern. Ich würde gerne für Filmsoundtracks arbeiten und hoffe, dies ist ein Schritt in diese Richtung. Jetzt warte ich, daß Hollywood an meine Tür klopft. Bis dann...ORCHESTRE NOIR!

Vielen Dank für deine Geduld und alles Gute.
Das Interview führte Maria Nicoli. Überarbeitet und ergänzt 2004 und 2005.







10.01.2013

Interview mit dem Folkmusiker Ian Read, Februar 1995

Bin wieder etwas durch das Netz gerobbt und hier und da findet man ja doch einige Dinge, die man nochmal hervorherheben sollte.Fire&Ice haben mich mit ihrem letzten Album "Fractured Man"( CD-Cover "Fractured Man" ) wieder stark mit solidem Neofolk infiziert, besonders das Stück "Verloschen" wirkt hypnotisch auf mich im positiven Sinne, Dauergast in meiner aktuellen Playlist.Aber gehen wir ein paar Jahre zurück ins Jahr 1995, in dem die Musikzeitschrift Paraneuja ein Interview mit Ian Read führte.Das Interview wurde nie veröffentlicht, Teile davon wurden wohl später von der "Sonic Seducer" publiziert.Kommen wir zum Interview, entliehen aus dem Ikonenmagazin, welches oftmals Fundgrube für interessante Dinge ist.

Halle 2003



Ian Read ist schon ein schwer durchschaubarer Mensch. Doch wen wundert das, angesichts seiner Label-Collegen bei World Serpent? Seinen Name sollte 1986 erstmals Bedeutung erlangen, als er zusammen mit David Tibets Kultformation CURRENT 93 ein rituelles Stück für "Swastikas For Noddy" aufnahm. Seine pastorale Stimme wird von da an prägnant bleiben. Nach einem kurzen Gastspiel auf DEATH IN JUNEs "Brown Book" gründete er zwei Jahre später zusammen mit Tony Wakeford (früher CRISIS, DEATH IN JUNE, ABOVE THE RUINS) SOL INVICTUS. Auf der ersten LP "Against The Modern World" übernahm er noch nahezu alle Vokalparts, ebenso auf der großen Japantour, wo er wieder DEATH IN JUNE und CURRENT 93 unterstützte (zu hören auch auf "In The Jaws Of The Serpent"). Während der folgenden Veröffentlichungen "Lex Talionis" und "Trees In Winter" stellte sich schließlich heraus, dass SOL INVICTUS mehr und mehr zu Wakefords eigener Vision wurde. Read stieg 1990 aus der Formation aus und ging aus Studiengründen für ein Jahr nach Frankfurt. Es ist hierzu anzumerken, dass Read des Deutschen außergewöhnlich mächtig ist und das Interview demnach auch nicht übersetzt werden musste, was lästige Fehler zu vermeiden half.
Nach seiner Rückkehr 1992 überredeten ihn alte Freunde, wieder Musik zu machen: aus diesen Bemühungen resultierte die steckenweise etwas befremdliche Folk-CD "Gilded By The Sun", erscheinen auf Douglas Pearce' NER-Label. Aus dem Schriftzug "FIRE * ICE" war deutlich ersichtlich, dass sich Read mit dem weiten Feld der Chaosmagie beschäftigt: Ein durch eine Binderune verfremdeter Chaosstern schafft die Verbindung zwischen den Polen Feuer und Eis. Trübten auf der ersten Veröffentlichung noch gelegentlich stampfende Computerbeats die melancholischen Balladen, stellt die zweite "Hollow Ways" einen kleines Meisterwerk der Apocalyptic Folk-Musik dar. Immer wieder stehen traditionelle Texte im Vordergrund, die den Bogen in die frühe bis mittelalterliche nordeuropäische Geschichte schlagen. Sogar eine deutschsprachige Moritat ist hier vertreten. Die niederländische Runenmagierin Freya Aswynn, die u.a. schon mit SIX COMM und CURRENT 93 arbeitete, präsentiert hier eine Art Hymne an Odin auf ihre unnachahmlich schräge Weise. Die künftige Entwicklung wird wohl weiter in die minimalistische Richtung gehen, wovon die aktuelle Live-CD "California Daze" zeugt.

Para: Ian, Deine letzten Veröffentlichung kamen alle aus den USA von einem Label namens Asafoetida. Kannst Du mir Näheres dazu erzählen?
Read: ASAFOETIDA ist ein ganzes Medienunternehmen und schließt ein Aufnahmelabel mit ein. Wir haben viele andere interessante Produkte in Vorbereitung: Bücher, Videos, usw.
Para: Was gibt es über die Kalifornier heute zu sagen? Kalifornien war einst eine Hochburg des Okkultismus; gibt es noch heute eine ausgeprägte Okkultszene?
Read: Kalifornier, wie alle Amerikaner, werden durch amerikanische Touristen und die Hollywood Filmindustrie schlecht repräsentiert. In Wirklichkeit, auf ihrem eigenen Boden, sind sie charmant und höflich und haben mehr mit Deutschen oder Österreichern gemeinsam als mit der englischen Kultur. - Die Okkultszene - wie Du sie nennst, ist ein Scherz, gleichgültig wo, und besteht meist aus unzulänglichen Leuten, die vorgeben, Superman zu sein. Ich beurteile Menschen nicht danach, wo sie sich herumtreiben oder wen sie kennen, sondern eher danach, was sie tun oder fähig sind zu tun. Darin gleichen die Amerikaner den Menschen auf der ganzen Welt. Manche sind großartig, die meisten jedoch nicht.
Para: Hast Du ein spezifisches Publikum dort?
Read: Das Publikum variiert.


Para: Du erwähnst gelegentlich Dein Interesse an Martial Arts (Kampfkünste). Kannst Du das präzisieren?
Read: Wie die meisten, die Kampfsportkünste erlernen, begann ich mit östlichen Systemen (hauptsächlich Jiu Jitsu), aber ich habe jetzt Kontakt mit einer geheimen, exklusiven Gruppe aufgenommen, die nordeuropäische Kampftechniken lehrt. Das ganze hängt mit Ásatrú zusammen und wird nur ásatrúar gelehrt. Es reicht wohl, wenn ich sage, dass unsere Methoden zumindest ebenso wirksam sind wie die orientalischen.
Para: Wie und wann kam es zur Gründung von SOL INVICTUS? War es hauptsächlich Tonys Projekt, oder habt Ihr es gemeinsam gegründet?
Read: Tony Wakeford und ich trafen einander, und er lud mich ein, ihm zu helfen, eine Band zu gründen. Diese Band war SOL INVICTUS. Ursprünglich war sie unsere gemeinsame Vision, aber Tony hatte zu dieser Zeit mehr mit Musik zu tun als ich, da meine kreativen Impulse in andere Richtungen gingen, und als Ergebnis verlagerte sich die Band ganz in seine Hände.


Para: Wie stehst Du zu den alten Songs heute? Auf der "Blood On The Snow"-MCD spielst Du "Michael"...
Read: Es ist eine Weile her, seit wir "Michael" aufgeführt haben. Die Vergangenheit ist Vergangenheit, hoffentlich lernt man daraus und geht zu größeren Dingen über.
Para: Wer ist Charlie McGowan, der auf Deiner letzten CD zwei Lieder spielt?
Read: Charlie McGowan ist ein Runenzauberer, den ich in Kalifornien getroffen habe. Asafoetida und ich hatten das Gefühl, dass er auf das Live-Album "California Daze" gehörte, und so geschah es auch. Wir werden möglicherweise weiteres Material von ihm in einer späteren Produktion herausbringen.
Para: Gibt es Filme, Bücher oder Musik, die Dich inspiriert?
Read: Die meisten Filme werden mit Geld im Hinterkopf gemacht und das bedeutet Massenanziehung. Das ist einer intelligenten Handlung nicht dienlich, da eine solche weit über den Kopf der meisten Leute gehen würde. Meine frühen Einflüsse kamen von Leslie Charteris's "Saint"-Büchern. Ein gutes Beisiel für den vorhergehenden Satz ist, dass es in keiner Film- oder Fernsehserie je eine richtige Darstellung von Simon Templar gegeben hat. Später entdeckte ich einen richtigen Hammer, "Shibumi" von Trevanian (in BRD bei Knaur, d.A.), der, obwohl ein populärer Reißer, ein elitäres Leitbild par excellence ist. Okkulte Bücher sind hauptsächlich Mist, daher lese ich akademische Quellen und bilde meine eigene Meinung. Natürlich schulden alle von uns, die mit nordischer Magie zu tun haben, Edred Thorsson große Dankbarkeit für alles, was er auf diesem Gebiet geleistet hat. - Zur Musik: Ich höre mir nur wenig an, und dann ist es hauptsächlich klassische oder Folkmusik wie Strawhead, Sandy Denny, Esbat Music und andere.


Para: Sollte Dein Publikum "okkulte" Erfahrung besitzen, um die Musik von FIRE * ICE zu verstehn? Interessanterweise geht es in den Lieder selbst selten offensichtlich um Magie.
Read: Jeder hat schon solche Erfahrungen gehabt. Alter und unsere Eltern programmieren uns darauf, sie aus unserem Geist herauszufiltern. Viel von Magie hat damit zu tun, zu lernen, wieder in der "einfachen" Welt unserer Kindheit zu leben, aber mit einem Bein in der "wirklichen" Welt. Das kann nicht mit Worten erklärt werden, deshalb schreibe ich nur selten über Magie: es hängt alles mit TUN zusammen. - Musik spricht hauptsächlich das an, was allgemein Unbewusstes genannt wird, und das versteht auf jeden Fall mehr als unser "gewöhnliches" Bewusstsein.

Wer unter den Lesern sich eine Einführung in chaosmagische Praktiken gönnen möchte, sollte zu Peter James Carrolls"Liber Kaos" (Edition Ananael) oder Nick Halls "Chaos und Hexenzauber" (Bohmeier Verlag) greifen.




14.12.2012

DEATH IN JUNE "All Pigs Must Die"

Ende 2001 feiert Death In June sein 20-jähriges Jubiläum. Allein das wäre schon Grund genug, Douglas P. einige Fragen zu stellen. Außerdem gibt es noch ein weiteres wichtiges Ereignis - das Erscheinen des neuen Albums "All Pigs Must Die". Aus diesem Anlass haben wir den Meister über die Hintergründe dieser Veröffentlichung ausgefragt und dabei kamen Geschehnisse ans Licht, die dieses Interview schon vor seinem Erscheinen zum Auslöser intensiver Diskussionen machte.
 
 "All Pigs Must Die" scheint eine Abrechnung mit Bestehendem und der Beginn einer neuen 
 DIJ-Ära zu sein. Inwieweit entspricht das den Tatsachen?
 
Douglas P.: Du hast in beiden Punkten recht. Für mich ist es mehr als nur ein Abschluss, es ist ein wilder Schrei. Das Kreischen einer Vollbremsung. Es ist ein Verbannungsritual für Elemente der Vergangenheit. Ein Ende! Gleichzeitig ist es musikalisch gesehen etwas, wonach ich mich schon lange gesehnt habe, es zu tun - mich auf wenige Instrumente beschränken und mich in diesem Rahmen ausdrücken. Akkordeon, Trompete und Akustikgitarre haben darauf gewartet, für einige Zeit das Bett zu teilen. Aber mit diesem Album haben wir einige unerwartete Gäste im Bett. Bettwanzen, mit denen man sich auseinandersetzen muss.
 
Das Album ist mit Ausnahme einiger Stücke sehr untypisch für Death In June. Es besitzt einen aggressiven Grundtenor, der durch die zunehmende Verwendung von Noise-Elementen zum Tragen kommt. Wer ist für diese Elemente verantwortlich? Boyd Rice/John Murphy, oder Du selbst?
 
D.P.: Ich denke nicht, dass das Album für Death In June untypisch ist. Das Setzen aggressiver Punkte gehört schon viele Jahre zu Death In June. Höre dir "Death Of A Man" vom 1986er Album "The Wörld Thät Sümmer" an. Höre dir Stücke von "The Wall Of Sacrifice" von 1989 an. Ich bin durchaus zu absoluter und totaler Gewalt fähig, aus einer rein körperlichen Perspektive gesehen. Meine Kunst ist mein Leben, meine Liebe, meine Lust. Ich verzichte in meinen Ausdrucksmitteln nicht auf diese Elemente, oder trenne sie ab. John Murphy ist nicht an den Aufnahmen beteiligt und Boyd´s brillanter Einsatz beschränkt sich auf die stimmliche Beteiligung am Anfang von "Tick Tock" und "We Said Destroy". Er hat außerdem einige wunderbare schweineartige Geräusche gemacht. Ich bin verantwortlich für "All Pigs Must Die" und alle Elemente, die das Album auszudrücken versucht.
 
Für die Aufnahmen warst Du u.a. auch in Deutschland unterwegs. Wo fanden die restlichen Aufnahmen statt und wer, außer Boyd Rice und Dir, war noch an den Aufnahmen beteiligt?
 
D.P.: Ich begann mit den Aufnahmen in Südaustralien und reiste dann im November 2000 nach Deutschland, um Andreas Ritter von der Gruppe Forseti für ein paar Akkordeonaufnahmen zu treffen. Forseti hatten einige Auftritte mit Death In June in Deutschland und ich mochte sie wirklich. Als wir bei dem vermasselten Konzert in Kassel etwas Freizeit hatten, überzeugte ich Andreas davon, einen neuen Song zu begleiten, den ich geschrieben hatte und der jetzt "The Enemy Within" heißt. Es funktionierte hinter der Bühne sehr gut und dadurch war der Samen einer Idee in mir gepflanzt: Ich sollte viele Songs mit diesem Mann aufnehmen - er ist großartig! Also tat ich es!! Während dieser Aufnahmesessions für "All Pigs Must Die" fand ich sogar etwas Zeit, ein paar Lyrics für Forseti aufzunehmen, welche, glaube ich, entweder als eine Single veröffentlicht werden, oder auf dem nächsten Forseti-Album enthalten sein werden, das bald erscheinen wird. Der Name dieses Songs ist "This Time The Victim Is Desire-Here In Black Jena". Anschließend ging ich nach England und hatte das Glück, Campell Finley dafür zu gewinnen, in meinen Songs Trompete zu spielen. Ich hatte schon auf den Alben "But, What Ends When The Symbols Shatter?" und "Rose Clouds Of Holocaust" mit ihm zusammen gearbeitet, aber er war sehr krank gewesen und hatte im Krankenhaus gelegen. Er war gerade entlassen worden, als er hörte, dass ich in England war und wieder etwas mit ihm aufnehmen wollte. Er dachte, es wäre ein guter Weg, sich von seiner Krankheit zu erholen und ich hoffe, das war der Fall. Des einen Gift ist des anderen Lebenselexier.
 
Weshalb erscheint das Album auf Leprosy Discs und nicht, wie gewohnt, regulär auf NER bzw. NEROZ?
 
D.P.: Ich habe Leprosy immer als Label für Veröffentlichungen genutzt, die einen besonderen Zweck hatten. Das "Burial"-Album war eine dieser Veröffentlichungen, genauso wie "Night And Fog" und "Passion! Power!! Purge!!!". "All Pigs Must Die" hat eine extrem spezifische Aufgabe, die es erfüllen muss.
 
In "The Enemy Within" singst Du von "Strange days for you and me and Germany". Welche Erlebnisse verarbeitest Du in diesem Titel?
 
D.P.: Dies ist ein Protest-Lied. Dies ist ein Lied der Solidarität. Es ist ein Lied des Widerstandes. Es steht für Befreiung und Sieg.
 
Warum hast Du das Album "All Pigs Must Die" genannt?
 
D.P.: Das ist tatsächlich eine Kombination von Inspirationen von George Harrison und Charles Manson. Es ist eine Synthese aus "All Things Must Pass" und "Helter Skelter". Der Titel ist wunderbar kurz und ohne Zweideutigkeit.
 
Woher stammen die Samples, die Du auf dem Album verwendest?
 
D.P.: Die Hauptquelle für die Samples war das diesjährige Schützenfest in Adelaide. Dieses jährliche Ereignis zieht jedes Mal über 35.000 Leute an, mit Unmengen von deutschen "Dom Papa" (?)-Bands, die dort auftreten. Ich bin einfach mit einem Tape-Recorder herumgewandert und habe all dies aufgenommen, und außerdem die betrunkenen australischen Deutschen, die dort waren.
 
Kannst Du uns verraten, welches Motiv das Cover des Albums zieren wird? Wird es das Schweine-Motiv der Promotion-Postkarte sein?
 
D.P.: Es wird verschiedene Designs für die LP- und die CD-Version des Covers geben, aber sie alle stammen aus der gleichen Fotosession, die an einem brillanten Ort namens "Fairyland" in Südaustralien stattfand. Dies ist ein Themenpark, der auf alten Kindermärchen basiert. Jedes ist in seinem eigenen kleinen Haus untergebracht, mit elektronischen Figuren aus den Märchen, die dort wohnen. Sie wurden am Ende des 19. Jahrhunderts nach Australien importiert und in dieses große Naturreservat gestellt, in dem seltene Känguruhs, Impalas und andere Tiere herumwandern, die du dann füttern kannst, während du auf die Knöpfe drückst und zusehen kannst, wie die drei kleinen Schweinchen hüpfen, oder Schneewittchen von den sieben Zwergen vergewaltigt wird, oder was auch immer! Ich bringe alle Leute, die mich besuchen, dorthin - Boyd und Albin lieben diesen Ort. Und der Ort liebt uns!
 
Wann kann man Death In June wieder live erleben. Wenn es da schon konkrete Pläne gibt, welche Projekte werden Dich unterstützen?
 
D.P.: Leider gibt es keine konkreten Pläne für weitere Liveauftritte. Meine Auseinandersetzung mit World Serpent Distribution beansprucht soviel von meiner Zeit, dass ich zu tun habe, meinen Kopf über Wasser zu halten. Ich befinde mich in einem allmählichen Prozess der Neuerfindung meines Backcatalogues und bin immer noch kreativ genug geblieben, neues Material wie "All Pigs Must Die" zu schreiben und aufzunehmen, so dass Livearbeit wahrscheinlich ein Schritt zu weit wäre. Seit meiner Trennung von World Serpent Distribution im Dezember 1999 wurde so viel von meiner Zeit von Rechtsberatern verschlungen, dass ich froh bin, überhaupt noch ein Leben außerhalb ihrer Büros zu haben. Möglicherweise sollten die Leute World Serpent fragen, wann ich wieder Zeit und Geld genug haben werde, Konzerttouren zu unternehmen. Letztendlich erfordern sie so viel von beidem.
 
Deine letzten zwei Alben waren Kollaborationen mit Albin Julius. Ist diese Ära beendet oder wirst Du wieder etwas mit ihm machen? Wird es weitere Projekte mit Boyd Rice geben?
 
D.P.: "Take Care And Control" und "Operation Hummingbird" werden vermutlich die beiden einzigen Death In June-Alben bleiben, die Albin und ich gemeinsam geschrieben haben. Das war schon so vereinbart, bevor wir anfingen, "Operation Hummingbird" zu schreiben. Ich wollte die Sommer- und die Winteralben mit Albin und bekam sie. Ich liebe beide sehr und eine weitere Zusammenarbeit zwischen Albin und Death In June würde möglicherweise diese zwei großartigen Arbeiten beflecken. Aber ich möchte gesagt haben, dass wir gerade an einer gemeinschaftlichen Kollaboration mit Boyd Rice arbeiten. Albin, Boyd und ich sind zur Zeit im Studio in Südaustralien und schreiben brandneues Material für ein Album, das vorläufig Boyd Rice And Fiends "Wolf Pact" heißt. Es soll Ende Februar fertig sein, aber ich habe keine Ahnung, wann es als LP oder CD herauskommt. Das ist noch zu entscheiden.
 
Um den Weggang Death In June´s von World Serpent ranken sich eine Menge Gerüchte (das Verweigern der Herausgabe von Originalbändern, Gerichtsverhandlungen, etc.). Was geschah tatsächlich? Wie ist der jetzige Stand der Dinge?
 
D.P.: Die Situation zwischen mir/NER/Twilight Command und World Serpent ist sehr einfach. Nach einer Reihe von Jahren einer sich verschlechternden Beziehung zu ihnen, teilte ich ihnen im August 1999 mit, dass sie von mir nicht länger weiteres neues Material zum Vertrieb bekommen würden. Ich hatte härter gearbeitet als jemals zuvor, mehr CDs und LPs verkauft als je zuvor, aber ich scheine weniger Geld zu machen als jemals zuvor. Es machte auf einem rein finanziellen Level keinen Sinn, bei dem Unternehmen zu bleiben, dem ich bei der Gründung geholfen und das ich sogar benannt habe! Wie auch immer, es war ein persönliches Level, auf dem die Dinge wirklich zu Bruch gingen. Im Dezember 1999, als sie erfuhren, dass ich vorhatte, das damals neue Death In June-Album "Operation Hummingbird" durch Tesco Organisation in Deutschland vertreiben zu lassen, stellten sie augenblicklich alle Zahlungen an mich/NER/Twilight Command ein, weigerten sich mir die Verkaufszahlen zu senden und informierten die Fabrik, die meine CDs herstellt, dass sie keine direkten Geschäfte mit mir machen sollten! Tesco konnte nicht einmal fortfahren, meinen Backcatalogue pressen zu lassen, da World Serpent uns den Zugriff dazu verweigerte. Obwohl ich für alle Aufnahmen bezahlt habe und sie mein Eigentum sind, ich alle Artworks entworfen und bezahlt habe und für all die Masterings/Cuts bezahlt habe, die zur Herstellung von CDs/LPs nötig sind, weigerte sich World Serpent mir diese zurückzugeben, oder der Fabrik die sie hat, zu erlauben, sie mir zurückzugeben!! Offensichtlich ist das ein Fall von "Wenn wir dich nicht haben können, dann wird dich keiner haben". Merkwürdig, wenn man in Betracht zieht, dass sie in den Äußerungen, die sie über mich gemacht haben, seit undenklichen Zeiten von mir befreit sein wollten, weil ich eine solch fürchterliche Person bin. Sie sind dümmlich-traurige Leute. Und sie und ihre Fürsprecher werden einen hohen Preis bezahlen. Sie haben versucht, mich/Death In June/NER und Twilight Command zu ruinieren. Einer der Chefs dieser Truppe rief sogar bei Tesco an und erzählte ihnen, dass ich sie ins Gefängnis bringen würde, weil ich so gefährlich bin. Ein anderer Chef rief Albin Julius an und bedrohte mein Leben, sowie das von Albin und das der Jungs von TESCO!! Diese "charmanten" Leute von World Serpent werden sich damit auseinanderzusetzen haben - möglicherweise durch das Gesetz, aber ich warte noch. Zum jetzigen Zeitpunkt sind noch keine rechtlichen Schritte unternommen worden, denn gerichtliche Angelegenheiten scheinen sich ewig hinzuziehen. World Serpent waren voller Drohungen, aber die meisten waren nicht rechtlich!
 
Die Alben "The Wörld Thät Sümmer", "Brown Book", "But, What Ends When The Symbols Shatter" und "Rose Clouds Of Holocaust" hast Du in sehr edler Gestaltung wiederveröffentlicht. Wird es weitere solche Re-Releases geben? Wenn ja, welche werden es sein?
 
D.P.: Wie ich schon in der vorangegangenen Antwort beschrieben habe, wird mir der Zugang zu meinem Eigentum, in Form von Master-CDs und Original-Artworks, verweigert. Vielmehr als das Design zwingt mich die Notwendigkeit dazu, meine Vergangenheit neu zu erfinden. Dadurch, dass ich nun ohnehin meine eigenen Kosten verdopple, dachte ich, es wäre gut, die Artworks noch schöner zu gestalten als zuvor. Sowohl Tesco als auch NEROZ waren sehr hilfreich in dieser Hinsicht und solange World Serpent sich weigert, mir zu geben was mir gehört, werde ich meine Vergangenheit wieder erfinden und neu auflegen müssen. Hoffentlich in einer Präsentation, die als besser betrachtet wird. Etwas Großartiges soll entstehen aus dieser schrecklichen Situation, die Death In June und all jene, die mit NER/Twilight Command verbunden sind, beinahe zerstört hätte. Man darf nicht vergessen, dass alle Zahlungen an NER/Twilight Command von den immer "hilfreichen" World Serpent eingestellt wurden. Das bedeutete, dass alle Tantiemenzahlungen an Leute wie Tony Wakeford, Boyd Rice, Patrick Leagas und Strength Through Joy/Ostara eingestellt wurden, nicht nur an mich. Ich habe deshalb jeden Grund, Titel wie BOYD RICE´s "Music, Martinis and Misanthropy", "Nada!" und die Strength Through Joy-Arbeiten bei Twilight Command neu aufzulegen. Tatsächlich war Boyd Rice der erste, der vom wunderbaren Dienstplan der World Serpent-Bands abwich. Ich war der nächste, gefolgt von Albin Julius von Der Blutharsh und Ian Read von Fire & Ice. Die Leute von Strength Through Joy/Ostara haben leider eine etwas andere Position als der Rest von uns und wir warten darauf, zu sehen, was mit den Twilight Command-Titeln passieren wird. Unsere Augen sind definitiv auf eine wachsame und brüderliche Weise auf sie gerichtet.
 
20 Jahre Bandgeschichte, welche Ereignisse sind Dir besonders in Erinnerung geblieben?
 
D.P.: Ich muss ehrlich sein und sagen, dass, obwohl Ende des Jahres 2001 das 20-jährige Jubiläum der Gründung von Death In June ansteht, ich nur an die Gegenwart denken kann. Ich bin beschäftigt genug, meine Vergangenheit und meine Zukunft zu sichern. Bis das erreicht ist, ist alles andere nichts als eine Zerstreutheit, bei der ich es mir nicht leisten kann, zu verweilen. Alle besonderen Momente sind vom Überleben überschattet.
 
Welche Ziele möchtest Du in Deinem Leben noch erreichen?
 
D.P.: Es gibt viele, viele Dinge, die ich noch zu erreichen habe, aber wie ich auf die vorherige Frage schon antwortete, ist Überleben auf allen Ebenen das Einzige, worauf ich mich im Moment konzentriere. World Serpent´s Versuch mich und Death In June/NER zu ruinieren, war die konzertierteste Bemühung, alles zu zerstören, was ich jemals getan habe. Mein Ziel ist es, erfolgreich zu überleben. Und glücklich!
In den vergangenen Jahren erschienen wieder einige Death In June-Bootlegs, so zum Beispiel die 
"Only Europa Knows"-CD und die "The March Of The Lonely"-Single. Von beiden heißt es, sie seien "semi-offiziell". Inwieweit hast Du wirklich mit diesen Veröffentlichungen zu tun? Was hältst Du von ihnen?
 
D.P.: Es gibt nichts "semi-offizielles" an diesen Titeln. Sie sind schlicht Bootlegs! Ich habe sie bisher nur in Läden stehen sehen. Ich habe sie mir niemals angehört und besitze keine Kopien davon. Sie sind bedeutungslos für mich.
 
Was ist aus den Plänen geworden eine Death In June-CD-ROM und ein Video zu veröffentlichen?
 
D.P.: Noch einmal geht es zurück zu den Problemen, die ich mit World Serpent habe. Das Jahr 2000 war verplant mit der Ausführung einer Reihe neuer Projekte, wie der CD-ROM und dem Video, aber plötzlich hatte ich kein Geld. Plötzlich muss ich Schwälle von Lügen bekämpfen, die in der "Indie"-Szene über mich erzählt werden, wie z.B., dass ich von World Serpent aus "politischen Gründen" "gefeuert" wurde. Plötzlich befinde ich mich in langen, zeitraubenden Treffen mit Rechtsberatern. All jene Pläne verschwanden durch das Fenster, auf Grund von World Serpent Distribution´s Versuchen, mich zu zerstören.
 
Was ist aus dem Vorhaben geworden, den Film "Pearls Before Swine" auf NER zu veröffentlichen?
 
D.P.: Es gab niemals irgendwelche Pläne, den "Pearls Before Swine"-Film via NER zu veröffentlichen, obgleich wir ihn möglicherweise auf DVD oder Video etc. verkaufen werden, wenn er heraus kommt. Dieser Film hat in letzter Zeit nur eine Serie von Aufführungen bei Filmfestivals auf der ganzen Welt beendet, deshalb sollte er irgendwann später in diesem Jahr käuflich zu erwerben sein. Es war Pech, dass ihn das traf, was man Nach-Produktions-Probleme nennt, nachdem er im Kasten war, so dass er im Endeffekt vier bis fünf Jahre mit der Veröffentlichung hinterherhinkt. Meine Verbindung mit dem Film ist, dass ich in zwei Rollen in den Film erscheine, und dass Death In June gemeinsam mit Boyd Rice/NON Songs für den Soundtrack eingespielt hat. Weder ich noch NER haben irgendetwas mit der Produktion dieses Filmes zu tun.
 
Welche Pläne hast Du mit Death In June und anderen Projekten in der Zukunft?
 
D.P.: Nach der Veröffentlichung von "All Pigs Must Die" und dem Abschluss des "Wolf Pact"-Albums sind für den Rest des Jahres keine weiteren Projekte geplant. Eventuell wird es ein paar weitere Konzerte akustischer Natur geben? Schlager Folk A-Go-Go!
 
Welches Death in June-Album hältst Du persönlich in musikalischer Hinsicht für das Beste, und welches für das Wichtigste?
 
D.P.: Mir fällt kein Album ein, welches nicht auf die eine oder andere Weise für die Geschichte von Death in June wichtig war. Mein Liebstes ist immer das Neueste. Ich liebe es, "All Pigs Must Die" zu hören. Das ist sehr wichtig.
 
Wie gefällt Dir das "Thaglasz"-Buch?
 
D.P.: Es ist ein Sammlertraum, obgleich ich denke, dass es einige Fehler enthält, die ich gern in einigen Abschnitten korrigieren würde. Eine Arbeit der Besessenheit, die ich zu schätzen weiss.
 
Hat sich Deine Beziehung zu Deutschland im Laufe der letzten Jahre geändert?
 
D.P.: Ich denke, die Beziehung eines Jeden zu Deutschland hat sich im Laufe der Jahre geändert! Besonders das Verhältnis der Deutschen zu Deutschland!! Unglaublich!!!
 
Was denkst Du über die Idee der Vereinten Nationen, sowie der Europäischen Union und über deren reale Umsetzungen?
 
D.P.: Ich denke, die UNO kann gute Arbeit verrichten, aber vieles davon ist verschwendet oder verdächtig zu wenig zu spät und die EU sollte weniger ein Paradies für engstirnige Bürokraten und Geschäftsleute sein, und mehr ein eurozentrischer, kultureller Austausch, der ernsthaft die europäische Einheit fördert.
 
Welches sind deine Lieblingskünstler bzw. -alben im Moment?
 
D.P.: Ich habe mir in den letzten Wochen so viel von mir, Boyd oder Albin angehört, dass ich im Moment nichts anderes hören kann. Außer vielleicht Petula Clark, die ich letzte Woche zum ersten Mal sah. Ich bin sicher, der Großteil eurer Leserschaft wird denken, "Petula wer?".
 
Kontakt: www.deathinjune.net

DEATH IN JUNE
BM JUNE
LONDON
WC1N 3XX
ENGLAND

Interview by Enrico Eisert/Heiko Meyer
Thanks to Tomas Fiedler für die nette Hilfe bei der Übersetzung
Taken from www.pagandance.de
Picts from Carl Marc. S


 Quelle

Interview: Rome - September 2011

Interview with

Jérôme Reuter of Rome

After a year of silence, Luxembourgish Neofolk project ROME is back on tour and is to release its new trilogy in November. Reflections of Darkness met Jérôme Reuter in Brussels 17th September 2011.

 “Art is not about pleasing people.“

Reflections of Darkness (RoD): Would you tell us something about your new trilogy ‘Die Aesthetik Der Herrschaftsfreiheit’? What are we to expect?
Jérôme Reuter (Jérôme): Well, it has three albums… (laughs) ‘Flowers from Exile’ was a very personal record because of my family history. The family of my uncle was involved in the civil war and subsequently forced to go and live in exile in France; in that respect ‘Nos Chants Perdus’ was a natural sequel to it. But during the research I did for those albums, I felt that there were still some important things that were not yet addressed. There was this greater underlying theme, a historical undercurrent. While doing the research, I sensed this spirit of revolt, the joy of fighting for freedom. I found this revolutionary spirit in Spain and then I saw the same thing in France, so I wanted to get to the core of it, to see what it was really about.




 RoD: You have referred to your first three albums on CMI as a trilogy, but this time you have decided to bring us all the parts as one package.
Jérôme: In a way, my first albums (‘Nera’, ‘Confessions d’un Voleur d’Âmes’, ‘Masse, Mensch, Material’) were a trilogy, yes. Moreover, ‘Confessions’ was recorded before ‘Nera’ was released, so I could not get any feedback on it, so in that respect the situation was not so different. In a way, those first albums are also reflected in the new trilogy: The first one is a very noisy, brutal one, mirroring the bleakness of ‘Nera’, it is like an uproar of a revolution. People who liked ‘Nera’ will probably like the first part of the trilogy. The second… …is the downfall. The third one has some hope to it, it is mellower. In fact, it reminded me of ‘Masse…’. It was like going back to ‘Masse…’ and starting to move onwards from there, but just in a different direction. It’s like following a path that I did not choose back then. And now I am ready to ignore all of it and the new stuff I am writing right now goes in a completely different direction entirely. So, anyway, fans of my earlier work will probably like the trilogy, but I have got some other things planned that they may not like… (laughs)

RoD: Was this music born over the years or during a shorter, more intensive period?
Jérôme: Both, actually. I think I had something like one third of the material ready before I started working on it. The first part was pretty much done already by the time I walked into the studio. But the idea of this trilogy has been in my head ever since 2008. Then I wanted it to be like a total audio book, with no actual songs on it, just a collage and spoken words. The longer intros and the excessive German spoken word parts are reminiscent of that.







 RoD: You say you only used analogue equipment for the trilogy. What’s the thought behind this? Is it some kind of a dogma for music, like the one Lars von Trier and his colleagues announced for movies?
Jérôme: There’s a lot of pressure that you put on yourself, and a lot of the time that keeps it from being a really great record. For the music, it was more important to go into a “Do It Yourself” kind of spirit. All that mattered were the songs themselves. It wasn’t planned beforehand, though: I moved out of Germany and needed a new studio and called up a guy with whom I worked in Brussels when I was in a punk band fifteen years ago. He said he had moved to the countryside and had analogue equipment there. There was nothing there, a calm and quiet place. It was easy to keep going once you got the ball rolling, since there was nowhere to go to. (laughs)

Going back to your question, I must say that ‘Nos Chants Perdus’ was kind of overproduced. You know, you want every record to be the best you have ever done and always sound better than the previous one. ‘Nera’ was recorded in seven days. ‘Nos Chants Perdus’ took about seventy. It ruined me financially, but we brought it to a level where it could compete with the high end productions. But it just doesn’t make sense for us to try to compete with those kind of productions, because were not on those kind of budgets and we are subject to the consequences of people stealing music. I simply couldn’t afford to do this in the same way as ‘Nos Chants Perdus’, but at the same time I didn’t want to, artistically speaking. I also like the kind of working process that analogue technique forces upon you. I recorded two or three songs to try it and I liked the sound and the process: You record and that is it. You can’t go back all the time. It is very spontaneous. With digital recordings, there was extensive post-production. The work never stops. Now you have five hours to finish the song and there is no going back. So it was all handmade and hardly produced. I still use a lot of samples but they are kind of minimal, too.

RoD: You announced a campaign for a living room tour in Europe and US. Where did the idea come from?
Jérôme: We’ve noticed that on our concerts there are a lot of people from hundreds of miles away. They’re spending hundreds of euros on tickets, hotel bills and sometimes even flights for just one show. So I thought why not just get a couple of friends together who are willing to spend the same amount to have us pay in their living room. That is the idea. We’re going to do it in the US and we are definitely going to do it at some point in Europe, but I don’t know when. It simply is a lot of money to get the band moving. 


 “Beware of words and their power to charm”

RoD: I don’t know if you have any formal background in history, philosophy or literature, but it appears you’ve studied them for the trilogy. Press release reads almost like an essay - or a manifesto.
Jérôme: I studied German and English literature at university, so I did learn how to do research during that - that’s what it’s all about. I like doing that before I start a project. It’s like doing a film: before you start to shoot you have to write a script, think about the cast and so on. There definitely is kind of preproduction process going on here, for instance researching what sort of sounds to use. It takes a lot of time.

RoD: You are a renown multi linguist. Do you actually still have one language that you consider as your mother tongue?
Jérôme: I clearly do have Luxemburgish as my mother tongue. I constantly switch languages, but as long as you keep dreaming in your mother tongue, it is ok, I guess. (laughs)

RoD: You mix strikingly many languages in your albums. What is the purpose of it? Is it that concepts can never be quite translated to another language?
Jérôme: Exactly that. I‘ve had an album with a Spanish focus and one with French focus and now most of the new trilogy is in German. All the things I read, all the voices I heard… everything that stuck with me while working on the trilogy was in German. I didn’t want to translate it because that was the way it was supposed to be and sounded most natural. I was inspired by the trilogy ‘The Aesthetics of Resistance’ by Peter Weiss. It is such an important book, but it has been sold out for years. When I finally got it in my hands by chance, I was amazed by the form of it. Every book has like seven hundred pages, every few hundred pages there is maybe a chapter number if you are lucky… Millions of words, how was I ever going to read it? I really liked that!

RoD: So you clearly aren’t going to give your listeners an easy time?
Jérôme: Well, it was planned to be much worse. (laughs) But it’s not actually a very difficult album for the most parts, except for those very long German passages. I tried to translate it but it just didn’t sound right. There was no way around it.

RoD: So in a way the listeners are forced to do their own research?
Jérôme: In a way, yes… Or maybe I‘m just lazy. (laughs) 





 “I renounce you…”

RoD: I perceive Luxembourg as a melting pot for cultures, where nearly everyone has roots somewhere else. Besides Luxembourg, I understand that you've been living at least in Germany, UK and Belgium. Your songs also appear to reflect some kind of alienation, yet simultaneously they reflect attachment.
Jérôme: I don’t believe in nations, nation states, anything like that. If anything, I identify myself as a European. I have roots in different countries. I feel like home everywhere in Europe. This doesn’t mean I would be advocating for the EU the way it is today or anything. That’s not what it’s about; it’s all about the cultural heritage. Also, every country is different and that’s what I like about it.

RoD: Would you say there’s an ideology behind ROME?
Jérôme: No. If there was, it would be a different one every week. This trilogy is the most political thing I’ve ever done. It reflects some early streams of the 20th century left-wing movements and thoughts – I share some of the views and I’ve always been outspoken about not liking the right-wing, but I don’t want ROME to be seen as a political project. It’s again like a movie you make, a subject you chose, a theme you decided to follow for a production. And in my private life, I’m not that much of a political person. I haven’t really found anything ideological that I’d put myself to service to. 





 RoD: We are lucky to live in a society where we have freedom. So what’s the fight we should be fighting in today’s world?
Jérôme: These records reflect specific times in history, specific fights one could justify. I’m not advocating that people should go to the streets and burn a bank or something, although there’s not that much to be said against doing that… (laughs) Of course one could have the same kind of fight today, but I‘m not going to tell people what’s the good fight. That’s up to people, really. I’m trying to include as many views as possible. The records are more about establishing characters. They may be very strong, but have their flaws and weaknesses, have failures, be traitors… There is beauty and pride and also in being frail.

So while it’s not about a specific fight, it’s inevitable that things are not going to stay like this forever. It’s a natural fact that it can’t go on. We are living in a corner of a world that’s eating everybody else’s food. Perhaps we’ll be fine for another fifty years, but there will be a lot of people suffering for our well-being. All this will be gone soon. It’s sad, but unavoidable. We don’t know what’s going to follow, but it definitely will not be the same again. I’m not going to say it would be bad, just different. It will be a lot worse at the start but maybe something good will come out of it… There will always be an end in everything. Do not get accustomed to things. Keep yourself busy, keep moving.

RoD: I recently stumbled across a little Nazi Goth boy who was quoting your lyrics. I found it rather surprising because if anything, I personally would've seen ROME as anti-war and anti-dictator of any kind, and definitely not one of far-right ideals.
Jérôme: People are stupid, you know. (laughs) Yes, you can write that down, everybody knows that. It’s not like I have an anti-right wing badge on the album covers, but if you read the lyrics, it should be quite clear. Sometimes you see people and are like, “whatta…” Maybe they should go and read a book or something. But everyone’s got the right to be interested in whatever they want. If someone really has a thing for that kind of things, they’ll find what they want from any kind of music. A lot of bands glorify war, and there is a lot of war in ROME, but I don’t portray it as something glorious and also I don’t see the point of singing about flowers…





 RoD: Matt Howden from Sieben openly speaks against Nazist and racist ideas among Neofolk music fans. Do you have any thoughts on the alleged connection between neo-Nazism and Neofolk?
Jérôme: It’s revolting to see ROME to see linked to right-wing bands. There’s these bands that are openly or by causative factors linked to those ideals. Many artists state they aren’t political, but at the same time they’re dealing with very political issues. I’ve always been very clear that we aren’t right-wing and that we’re on the left side of things, even though we’re not a left-wing band as such. I do not want ROME to be a political band. But Nazis are scum, end of story.

RoD: Do you actually even perceive ROME as a Neofolk project? I can see this label arising from your CMI years, but lately, it has appeared somewhat unfitting: You seem to draw more from Leonard Cohen than a stereotypical Neofolk ensemble.
Jérôme: A year ago I’d have said to hell with Neofolk, ROME is not Neofolk. (laughs) Well, the last two albums weren’t Neofolk, but I started out sounding partially like some of the Neofolk bands, so I don’t mind being labelled as one and I’m used to that. Besides, stylistically, Neofolk is pretty difficult to describe anyway. But there’s more to ROME than just Neofolk and that’s what I like about it. That’s what people like about it. Rock’n’Roll, industrial, singer-songwriter, punk, all kinds of weird dark stuff… And I don’t really know how to label myself, and I don’t really care. For me, it’s just music. 



“Compromise - is not possible!”

RoD: You’ve mentioned that you can get along with very little money. Is that simply out of necessity to be able to live on your music?
Jérôme: Well, yes, as a musician you kind of make that choice anyway before you start. Buying expensive cars has always been out of the question – certainly with the kind of music I do. Making music doesn’t generate a lot of money, and in recent years the global record sales have dropped to such an awful degree that all musicians, labels and fanzines suffer from the consequences of people stealing music. It’s generally played down, either by the bands and labels to keep their guard up and to keep up appearances, or by people who just go “oh, well, you can still play live and make money there”, and “downloading gets you more fans” and shit like that.

A record label invests tons of money into making a product and promoting it. Now we just took the customer out of the equation. The math is simple, if not enough people buy it, there won’t be a next record, because there are more fun ways to burn money for everybody involved. And playing live is hard if you want to make a living with it, because everybody has to tour now, so the fees are going down because of the competition. A lot of labels don’t have enough money to pay for advertising in the fanzines, so the fanzines don’t get any money anymore either. So it’s really tough right now. A lot of the underground culture is dying because of that. I don’t care if the major players struggle, they have been asking for it ever since they started, but it’s the small companies, the small idealists who find it harder by the day to get by. It is stuff like that people really don’t think about when they are stealing our work.

We aren’t pop stars who can find other ways to make money – I can’t release some stupid perfume or sneakers or whatever. And I don’t have another job waiting somewhere. At least, there’s still a lot of people out there who support the artists by buying merchandise and purchasing the albums. There’s – at the moment – still enough of those individuals who keep this going and make it possible for me to release another album. So, yes, living on very little money is a necessity more than a choice. I chose to become a musician, so I chose not to have a lot of bling bling. But on the other hand I don’t care a bit about the bling. I don’t even have a TV.

 RoD: I keep repeating myself, but you’ve been amazingly productive. Do you have other interests in life that would have nothing to do with music?
Jérôme: I have a part in my life that is private and sacred, but pretty much everything else is ROME. As you can see, all my friends are in the band. Everything I like, people I meet, theatre, books I read, history, all that is combined in ROME.

RoD: Where are you planning to go from here? I’m not expecting to you to tell the details, I know you won’t. But do you know already yourself?
Jérôme: Before it’s done I can’t really speak about it, also because you never know what it’s really going be like in the end. Maybe you run into something you didn’t expect and venture that direction. I talked to a friend about ‘Flowers From Exile’ before it was released. I told him about this small mellow thing and by the time it was out and he heard it, it had turned out into this grand rock kind of thing. Every album is different. The next will be even more different. (laughs) I don’t want to reveal anything. All I can say is that I have a completely different approach to songwriting right now. My intention is to keep fresh. You easily get stuck recording the same album again and again. Most artists think they reached whatever they were striving for once they have found their sound. I don’t believe in that. Once you find your sound, change it! Art is not about pleasing people.





 Titles are excerpts of ROME’s lyrics. ‘Die Aesthetik Der Herrschaftsfreiheit’ is out on Trisol 11th November 2011 and on sale via Infrarot.
Pictures by Achim Webel (www.nightshadow-photoart.de



Quelle